Google mischt sich ein

Beilage zu „DER SPIEGEL“ Nr. 49 vom 2.12.2017. Ja, ich lese ihn noch, auf Papier, und viel lieber als zuvor. Vor allem seit „SPIEGEL ONLINE“ irgendwie nervig geworden ist. ‚I confess‘. Ich tue das.

Aber dies hier hat mich tief getroffen. Beilage „Aufbruch Ehrenamt“.

GE_Titel

Da dachte ich zuerst, ah so ein Dings vom Amt, oder vom Bund, oder was soziales. Aber irgendwas war anders. Zu glatt. „4 Mio Euro“. Soviel haben die sonst nicht, oder schreiben es jedenfalls nicht so hin.

Aha: Der gute alte Google ist’s! Die freundliche Suchmaschine, die einen immer so unschuldig-bunt anschaut. Man findet was man sucht und was Google will. Aber das weiß man ja. Was fangen die schon damit an, daß ich den Namen der Pizzeria im Nachbarort nicht parat habe. Oder wo grad der Zug ist. Oder wie die Telefonnummer der Arztes ist den ich gern aufsuchen… egal. Paßt schon. War schon immer da. Klar, werbefinanziert, aber man kann ja auswählen. Anscheinend.

War da nicht eine Info daß die in Deutschland wesentlich mehr machen wollen? Wo war das noch? Auch egal: Hier ist schon mal die neue Aktivität. Junge Optik, flotte Sprache – und vor allem: Sozial und engagiert. Ehrenamt. Geht immer. Fragte doch neulich die junge Mitarbeiterin ob ich nicht eine Idee hätte was sie tun könne. Ist also ‚en vogue‘. Mal reinblättern.

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Oh ja! Schicke Mädels, die sich dekorativ durch’s Haar streichen. Guck ich an. Sehen die alle schick aus! (Zieht sich übrigens durch das ganze Heft, diese ‚easy on the eye‘-Optik). Google gab Geld. 250 TEUR. Warum nicht.

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Aha, die Frau Breidenbach mit ihrem Internet-Dings. Hat man irgendwie schonmal gehört. Aber, „größte Spendenplattform“? Dachte das wäre „Deutschland hilft“, die immer bei Sanifair am Pissoir… egal. Frau Breidenbach sagt Sachen wie „Ich habe zur Depression veranlagte Freunde (1), die im Lauf der Flüchtlingskrise (2) regelrecht erwacht sind und zu ihrem eigenen Erstaunen (3) gesehen haben daß es anderen viel schlechter geht als ihnen.“ Das ist interessant, denn (1) offenbar ist Frau B. da entsprechend geschult um das zu erkennen und (2) was war das nochmal wobei (3) : Dann kann die Depression nicht so schlimm gewesen sein. Wie auch immer: Erstaunliche Worthülsen.

Schlußendlich den Ausschlag zu diesem Beitrag gab dieser „Artikel“ hier:

GE_Evangelist_1Dieser Herr mit der ambitionierten Frisur und dem -nomen est omen- Namen Frederik Pferdt (hoffentlich kein trojanisches, ja, okeee Joe Bauer, keine Witze über Namen, aber den muß man machen), dieser Herr also, er schaut ja auch ganz zuversichtlich drein, aber warum hat er ein so komisches Hemd an, das erstaunlicherweise die Blutzufuhr zum Gehirn nicht so behindert daß die Gesichtsfarbe leidet, dieser Herr schließlich, er ist…

GE_Evangelist_2„Chief Innovation Evangelist“ bei Google.

Ja geht’s noch?! Dachte immer das sind die 4 aus dem Neuen Testament und gut ist! Immerhin ist er „gelernter Wirtschaftspädagoge“ und schon 40 Jahre alt. „Stanford“. Klingt gut. Gibt ihn auch da, hab nachgesehen. Aber das ist schon sehr anstrengend, das mit dem „Evangelist“.

Weiter im Text. Der Leser trifft auf Jaquelline Fuller. (Warum zwei „l“? OK, ist gut jetzt mit den Namen…)

GE_Fuller

Sie hat auf dem Foto ein sehr breites Lächeln und schöne Haare, und leitet das Sozialdings von Google. Im „Interview“ sagt sie: „Wir kommen mit der Google Impact Challenge nur dann in ein Land zurück wenn wir großes Potenzial sehen – und das ist in Deutschland der Fall.“ Das klingt wie eine Drohung. „Impact Challenge“, eine Herausforderung durch einen Einschlag.

„OK, Google“

Bleibt mit eurem Scheiß-Geld einfach da wo es am wenigsten Schaden anrichtet – in den USA, da ist eh schon alles den Bach runter, scheint es. Laßt uns hier in Ruhe, und vor allem: Tut nicht so sozial, Ihr seid ein Wirtschaftsunternehmen und an nix anderem als am Geldverdienen interessiert! Wir brauchen Euren Kram nicht und schaffen dennoch Gutes zu tun! Hängt Euch nicht an etwas dran wo Ihr garnix mit zu schaffen habt. Verkauft Anzeigen und ‚ad words‘, schaut daß Eure Webseite tut und gut ist.

Ich such‘ künftig mit Baidu. Da weiß man was man hat. Eure Diktatur des Kapitals kotzt mich an.

Gewaltmonopol

Mit solchen Fernhalte-Stecken suchen sich Ordnungskräfte der Volksrepublik China Angreifern zu erwehren. Diese stehen überall herum. Wohl auch zur Beruhigung des Volkes. Wie auch generell viele Maßnahmen hier doch dazu dienen sollen, jegliche Beunruhigung zu vermeiden. Also kein facebook, Youtube und sowas. Ist es China vorzuwerfen?

Wie auch immer: Man rechnet also nicht mit Schusswaffen, sondern maximal Messern oder (siehe die Schilde) Knüppel, Steinen oder sonstigen Wurfgeschossen. 

Somit bleibt das Gewaltmonopol beim Staat, grad mal verglichen mit anderem Staaten die hier die Bürger mit einbeziehen. 

Okee, neulich wollten in Ningbo Leute Sprengstoff entsorgen, den sie offenbar selbst hergestellt hatten. Das ging schief. Aber immerhin bleibt an der Schanghaier Messe alles ruhig und die größte Gefahr geht von illegalen Katalogverkäufern aus. Oder von dem Toiletten.

Sprechsieb

Wunderbar. Suche eigentlich nur eine Briefkastenanlage. Weil ich fest an das geschriebene und auch gedruckte Wort glaube. Und an Zeitungen in Papierform. Wenn dann die ankommende Kommunikation durch ein „Sprechsieb“ gelaufen ist – kann nix mehr schiefgehen.

Wäre doch mal eine interessante App, läßt nur relevantes durch. Oder als eine Art Hörgerät. Für gestresste Ehemänner und -frauen.

Wohlan: Was gibt 7×7? Sinn!Sprechsieb

Hoffnung mit Rabatt

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In Aulnay-sous-Bois bei Paris gibt’s einen Supermarkt wo man Hoffnung kriegt. 100% halal, aber auch 100% discount. Also Hoffnung für umme. Eigentlich ein Symbol für das Leben. Oder wie der Franzose sagt: „Tant qu’il y a de la vie, il y a de l’espoir.“. Was wiederum ein article partitif ist. Also wie bei „du beurre“. Von der großen Menge Butter auf der Welt genau soviel wie auf die  ‚tartine‘ paßt. Oder ‚un verre du vin‘.

Donc: Hoffnung – es genug für alle da!

Europäische Begegnung

Diesen europäischen Diskurs gilt es jetzt immer mehr zu führen, ‚en passant‘, oder auch mal ‚en restant‘: Die polnische Mama, 2001 nach Deutschland gekommen, die sich noch an das Kriegsrecht Anfang der Achtziger erinnert („die Läden waren ganz leer, und überall Polizei“), welche dann hier den türkischen Papa kennengelernt hat, der als Kind schon hier in der Grundschule war, das nun die jüngere Tochter besucht, während sich die ältere Tochter mittlerweile durch das Latein am humanistischen Gymnasium kämpft.

Polen, Kriegsrecht, auch und natürlich die „DDR“, eigentlich waren wir, die BRDler, am wenigsten mutig. Dann aber jetzt, umso mehr. Für unser Europa.

Hört Euch den hier an

hör auf den kopf zu rasieren durch die strassen zu marschieren
wir können nicht riskieren uns nochmal zu isolieren
wenn kulturen kollidieren darf man nicht diskriminieren
sondern muss sich informieren um sich umzuorientieren
ist die psyche nicht in ordnung tut man zuviel konsumieren
legal oder illegal man muss sich therapieren
ich will euch nicht schockieren denn da liegt mir nicht viel dran
deshalb werd ich jetzt pausieren und verbleib mit hört euch den hier an

Die Fantastischen Vier / 4 gewinnt / 1992

Getaway and Hideaway

Get away from where? Hide away from whom? Even better in the version of ‚Cultural Hideaway‘, ‚Luxury Getaway‘ or even ‚Luxury Cultural Hideaway‘, as seen near Garmisch-Partenkirchen. (Wait, nearby was another hideaway… something with birds… or wolves… no, that’s somewhere in Poland.)

Quite a lot of folks would be glad to ‚get away‘ or ‚hide away‘, in the middle east, in Africa. And we, we hide from?

‚He comes, he comes!‘