Diese Erzählung hat mich ziemlich beeindruckt. Die Familie bekommt am 1. Advent die Kündigung der Altbauwohnung. Diese soll verkauft werden, zu einem Preis der vor 5 Jahren noch für ein Häusle im Umland gereicht hätte. Heute auch nicht mehr.
Auf meine Frage an die Mutter ob sie denn mit der Kündigung schon zum Anwalt ist meinte sie nur: „ach nein, die letzten anderthalb Jahre wo wir wissen daß wir rausmüssen waren schon schlimm genug“. Eine neue Wohnung ist nicht in Aussicht. Vom Mieterbund-Berater kam die Info: „Jaaa vor 10 Jahren hätte die 92 jährige bettlägerige Oma noch Schutz gehabt, aber heute auch nicht mehr.“ Das ist auch nicht das was man von dort erwartet.
Was ist da los? Die Leute sind gesundheitlich auch nicht auf der Höhe, daher kann die Mama nur Teilzeit arbeiten, finanziell ist es eng, sie haben einen 11 jährigen Sohn. ‚Kauf bricht Miete nicht‘ – das gilt noch immer. Ich bin der Meinung daß ein guter Anwalt ihnen sicher einige Zeit noch helfen kann, Zeit die gebraucht wird eine Wohnung zu finden.
Hoffentlich kommen sie zum Mut, sich ihr Recht zu nehmen. Wir sind ein Land in dem man sich die Rechte nehmen muß. Es dient uns damit, aber es dient uns diese nicht ständig an.
Ansonsten gehen wieder Menschen weg die ein Viertel wohnenswert machen, die man auch mal tagsüber auf der Straße trifft, die kommunizieren, und nicht nur morgens schnell einen ‚coffee to go‘ holen und dann im System verschwinden. Wenn unsere Stadtviertel diese Menschen verlieren, wenn nur noch die Reichen sich das ‚Schöner Wohnen‘ leisten können, dann geht etwas verloren was dieses Land noch ist.
