Fährt man Stuttgarter Hauptbahnhof ab (besser) oder kommt man dort an (naja) entsteht gleich der Eindruck, dass Pflanzen hier hochgeschätzt sind.

Man scheint sich hier seit einiger Zeit vom Umweltfeind Automobil abzugkehten und sich mit Verve dem Umweltfreund Zugverkehr zu widmen. Das zeigt allein schon die Gründlichkeit, mit welcher man hier das Bahnhofsprojekt „Stuttgart 21“ vorantreibt. Ach was, mit ‚Germany Speed‘ schiebt und zieht man an allen möglichen Stellen. Nur scheint keiner genau zu wissen, oder zu suchen, wo diese Stellen genau sind. (Nicht dass man noch die eine oder die andere Stelle fände, wo es hängt!)
Aber zurück zum Thema, „grün“ ist hier die vorherrschende Farbe. Und das ganz ohne Zutun des Menschen! Offenbar gibt man hier viel auf diese chaotische Kraft der Natur, die im Sinne einer entgegengerichteten Wellenbewegung das Chaos der Bahnhofsplanung neutralisieren könnte und so schließlich für Ruhe sorgt: An den Nerven der Reisenden, für allerlei Insekten und andere Nützlinge, und sicherlich such im Gewissen der Umweltschützer: Hier waren sicher keine Biozide im Einsatz.

Da der zu nehmende Zug mit 25 Minuten abfährt (voll im Rahmen!) bleibt Zeit für Einzelbetrachtungen. Dieser Prellbock könnte jener sein, der vor vielen Jahren als „Baustart“ nach vorn verlegt wurde, um Platz zu schaffen für das hier:

… die eigentlich fertige unterirdische Bahnstation, das Architektur-Juwel und Meisterwerk der Ingenieurskunst (Ingenhoven! Sobek! Frei Otto! Da Vinci! …äh nee der nicht), welches leider nicht in Betrieb gehen kann, weil die Digitaltechnik irgendwo hakt. Siehe oben.
Vielleicht ist der Prellbock auch einfach nur vergessen worden. Oder immer noch da damit Gegenstände im Umfeld abgelegt werden können, die man vielleicht noch mal brauchen kann, Kabel, verbogene Gitter, sowas.

Ob sich die Zeit bis zur Eröffnung der neuen Bahnstation mit dem Wachstum der Pflanzen, „Schienenbegleitgrün“ mag ein Wort sein, ausgeht, bleibt abzuwarten. Man hört dass es 2031 dann aber wirklich losgehen soll, unten.
Bis dahin ist oben vielleicht eine dschungelartige Welt entstanden, die das Warten auf Züge eher dem Besuch eines botanischen Gartens oder gar eines südasiatischen Landes gleichen lassen wird. Sumatra 21 oder sowas.
Die Menschen werden es lieben. Niemand will mehr weg. Die Bahnsteige werden beliebter sein als die lokale Einkaufsstrasse „Königstrasse“ oder Kultur-Highlights wie das Mercedes-Museum. Gewalt, Drogenkonsum und gefühlte Angst wird der Vergangenheit angehören. Aufenthaltsqualität wird endlich realisiert sein. Kleine Schmalspurbahnen werden unbedingt reisen Wollende fortschaffen und Snacks herbeibringen. Hier wird gut sein.
Niemand wird den Tiefbahnhof vermissen.