Wer kürzlich zu seinem Orthopäden, zu KfZ- und HiFi-Händler, zu seiner Ehefrau, sagen konnte: „Wir gehen jetzt schon ins dritte Jahrzehnt zusammen!“, der hat es, das Alte Glück.
Autor: jpu
Moving Image? Media Innovation?
Eine neuerliche Recherche, nachdem sich der erste Ärger gelegt hat: Die ‚Film Commission Region Stuttgart‘ beschreibt das Werden dieser Entscheidung als Ergebnis des „großen Engagements vieler Beteiligter“, es entstehe ein „offener Ort für Austausch, Qualifizierung und Sichtbarkeit“ und es sei gar ein „Baustein für ein mögliches Stuttgart Media Innovation Center (SMIC)“.
Ja was denn nun? Bewegte Bilder? Medieninnovation? Eigentlich ist das egal, denn der Preis ist zu hoch und die Kassen sind zu leer. Die Konsequenzen haben andere zu tragen, Menschen mit Behinderungen, Arme, Alte, Schüler.
Kommt alles anders? Fast mag man es zu hoffen. Im Moment fehlt die Kraft dazu.
Kraftvoll fordern diese:

Dann fordert mal schön. Interessant: Betriebskosten wurden bereits gesenkt, für ein Gebäude, das in 3 Jahren fertig wird. Das ist wie bei Uli Keuler „Zeit und Raum – aber des check i au no!“
Man möchte sich die nächsten 3 (oder 4, oder 5 Jahre) einfach ins Gefrierfach zurückziehen.
Schade.
Heute ist was zerbrochen zwischen jpu und Stuttgart.

„Eine Stadt muss auch solche Projekte machen, eine Landeshauptstadt erst recht“
…sagt jedenfalls Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CDU). Andere sagen „Erst die Pflicht, dann die Kür“, etwa der Bund der Steuerzahler. Oder selbst die AfD hat hier mal Recht (sic!): „Stuttgart ist kein kleines Hollywood. Wir sollten uns um die wahren Probleme kümmern…“.

Nur die CDU und die Grünen sind einträchtig dafür. Das ist schon erstaunlich! Wobei – es gibt Stimmen, die die Grünen als die Schwarzen von morgen sehen. Der großartige Rainald Grebe schrieb es in sein Lied „Prenzlauer Berg“, „Schwarz-Grün wird die Republik, hier ist sie es schon!“. Das war 2011.
CDU und Grüne haben 28 von 60 Stimmen im Stuttgarter Gemeinderat. Ist da eigentlich Fraktionszwang?
Ein Prüfstein für die Vernunft diese Abstimmung. Passen Vernunft und Politik zusammen?
Bald ‚SMIC‘ für alle oder Filmhaus im Kaufhaus?
Wenn das so weitergeht werden hier noch mehr den Mindestlohn (französisch ’smic‘) erhalten, denn dann ist einfach die Kohle alle. Aber worum geht es? In Stuttgart soll ein ‚Haus für Film und Medien‘ gebaut werden, das Projekt läuft schon lange, es gab mal ein Kommunales Kino, ein Filmhaus, das musste weg, dann sollte die „Kulturmeile“ verlängert werden und nun ging es vor einiger Zeit los!
Ein anderes Kaufhaus hatte beschlossen, das gleichnamige Parkhaus in einen ‚Mobility Hub‘ zu verwandeln. Sprich: Abreißen, neu bauen. Flächen für irgendwas anderes ausser Autos gibt es dort dann wohl auch, jedenfalls werden die auch schon beworben. Und daneben: Endlich Platz für dieses ‚SMIC“, das ‚Stuttgart Moving Image Center‘. Ein großes Loch wurde gegraben, und ein schickes Schild aufgestellt.

Nun gibt es aber ein Problem: Die Stadt, in der dieses SMIC gebaut werden soll, hat leider ganz überaschend kein Geld mehr. Die Gewerbesteuereinnahmen – weggebrochen! Der Handel – setzt zuwenig um! Das Weihnachstgeschäft – mäßig. Weil das alles offenbar nicht zu erwarten war muss nun alles schnell gehen: Der Oberbürgermeister gibt ein Interview, in dem er sagt, dass er das SMIC eigentlich nicht mehr bauen will, aber muß. Der Finanzbürgermeister dito, er sagt es gibt kein Geld mehr dafür, aber das hätte er schon vor zwei Jahren gesagt. Der Gemeinderat? Da wird es spannend! Die „Grünen“ Fraktion gibt eine Presseerklärung raus:
Mit ziemlich drastischem Ende: „Deshalb stehen wir GRÜNE weiterhin klar hinter dem SMIC und setzen uns entschieden für die Realisierung dieses beispielgebenden Projekts ein. Das SMIC ist nicht „aus der Zeit gefallen“ – im Gegenteil: Es ist wichtiger denn je, wenn diese Stadt eine Zukunft haben soll.“
Der OB meint das auch, oder zumindest ähnlich:
Allerdings mit interessanten Einsichten: „Gegen einen Baubeschluss spricht auch die Kreditobergrenze, die uns mit hoher Wahrscheinlichkeit das Regierungspräsidium bei der Genehmigung des Doppelhaushalts ins Stammbuch schreiben wird. Diese Kreditobergrenze kann dazu führen, dass nach einem Baubeschluss für das Haus für Film‐ und Medien im Finanzplanungszeitraum andere Investitionsprojekte nicht mehr umgesetzt werden können.“
Sei’s drum, der „Zug ist nicht zu stoppen“. (Hä? Welcher Zug? Gerät hier etwas durcheinander, mit Stuttgart21 oder so? Ist das allen handelnden und Presseerklärung gebenden Leuten bewußt?)
Fest steht, das Projekt wurde von 80 Millionen (2020) auf 115 Millionen teurer, und wird im Jahr knapp 10 Millionen Defizit erzeugen. Naja, vielleicht auch nur 5 Mio, weil „OB Nopper wird dem Gemeinderat empfehlen, einen Baubeschluss zu fassen, mit der Auflage, dass bei den Baukosten alle Einsparmöglichkeiten genutzt werden müssen und dass die prognostizierten Betriebskosten deutlich zu senken sind.“ Das wird bestimmt super klappen!
Übermorgen ist die Abstimmung im Gemeinderat. Mal sehen wie das ausgeht. Achja, die Stadt ist im Besitz eines anderen ziemlich großen Gebäudes, das leer steht. Hat auch nur gut 50 Millionen gekostet. Und das Parkhaus ist auch schon fertig:

Das Loch, ja das Loch… in der Königsstrasse war es der Stadt auch egal, das Benko-Loch. Hier könnte… vielleicht ein Schwimmbad entstehen. Als Ausgleich für eines der Bäder, die bald schließen müssen.

Man kann nicht sagen, dass es in dieser Stadt nicht spannend sei. Achja, bald sind auch Landtagswahlen.

Im Hintergrund übrigens die nächste Baustelle. Wie geschrieben, es bleibt spannend.
Gönnen können


Auch das muss man können, das Gönnen.
„Gönn Dir doch mal was!“ – „Kann ich nicht.“ Tja, Pech gehabt. Kann man aber lernen. Gönnkurse wären eine Geschäftsidee für leistungsorientierte Boomer und Gen X Menschen. Aus Y, Z oder gar α wird man wohl weniger Zulauf haben.
Natural Born Machthaberin
Sind das nicht alle Frauen? Qua natura? Sie haben Macht über das Leben. Sie haben Macht über die Kinder. Sie haben Macht in der Beziehung. „Happy wife – happy life!“ sagt der Angelsachse.
Männer hingegen – müssen sich die Macht erwerben, kämpfen, fies sein, Leistung bringen. Schon um dem Vater zu gefallen. Frauen, Mütter lieben bedingungslos. Die Macht der Liebe, Liebe ist Macht, ist mächtig. Der Mann aus Galiläa hat das auch gleich gecheckt.
Daher ist ja auch Genderwissenschaft richtig. Wenn man es richtig macht. Und nicht um Macht auszuüben.
Auf, auf, im Takt!

Passt das zum ‚Dry January‘ ? // Gott sei dank gibt es die Christdemokraten, sonst geriete man auch trinktechnisch im Neuen Jahr gewaltig aus dem Takt !
„I am not convinced“
Die Älteren erinnern sich: Joschka Fischer auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2003, Rumsfeld hatte schon über ‚Old Europe‘ gelästert, Schröder rückte ab von den USA, und schließlich musste die CIA mit hohem Aufwand Informaten finden, welche die gewünschte Geschichte erzählen.
Heute legt man einfach los, zack. UNO-Mandat? Sicherheitsrat? Alles zu anstrengend. Es müssen aussenpolitische „Erfolge“ her damit genügend Wähler bei den Midterms den Helden Trump doch wieder auszeichnen.

Natürlich geht es um’s Öl, wie damals im Irak. Natürlich sind Opfer zu bringen, bestensfalls bei den Anderen, aber auch unter eigenen Soldaten wäre es dem „HUNTER“ egal.


Wobei… eigentlich brauchen die USA doch gar kein Öl mehr! Auf ‚Truth Social‘ wird mächtig Werbung gemacht für das Joint Venture der Mutterfirma dieser Online-Dreckschleuder mit einem Fusionsreaktor-Entwickler. Der sei quasi fertig. Investieren Sie! Kaufen Sie! Seien Sie dabei.
Aber das ist dann nochmal eine ganz andere Geschichte: https://www.politico.com/news/2025/12/18/trump-social-media-merger-deal-00697310
„Schleim-Jesus“, Kunst oder Katastrophe? Eine Krippenbetrachtung.
Heiligabend 2025. Das ARD hat angekündigt: Christmette aus der Kirche St. Maria in Stuttgart. Immerhin die „Mamakirche“, jene des katholischen ’significant other‘ in der ökumenischen Ehe des Autors. An Heiligabend selbst erst mal beschäftigt: Geschenke würdigen, Kartoffelsalat verdauen, Kerzen am Baum beim Runterbrennen zusehen. Erster Weihnachtstag, auch viel zu tun, Kochen, Weihnachtsessen, Spaziergang, Kaffee und Weihnachtsbrötle. Am Abend finden wir uns vor dem TV ein, der Gottesdienst wurde aufgezeichnet, ist auch in der Mediathek ganz leicht zu finden, immerhin nur zwei ‚thumbnails‘ von der „Heiligen Nacht in Rom mit Papst Leo“ entfernt.

https://www.ardmediathek.de/kultur-gottesdienste
Es geht los mit dem wunderbaren CIS-Chor, man sieht den katholischen Fernseh-Pfarrer des SWR, Thomas Steiger, und die Pastoralreferentin Katharina Leser. St. Maria in Stuttgart-Süd, Außen, Pfadis, Friedenslicht aus Bethlehem, wunderbar. Einzug in die Kirche, alles sehr getragen. Beide gehen nach vorn, etwas kommt im Vordergrund ins Bild:

Die Berichterstattung in Vorfeld (war es dem SWR, der katholischen Kirche schon etwas blümerant geworden?) hatte einen schon mal vorgewarnt, ein echter Mensch, in Reispapier gewickelt, werde in der „Krippe“ liegen.
Von einer Krippe wenig zu sehen, eher ein Strohhaufen. Und was da liegt verschlug einem die Sprache, ließ einen aber auch nicht wegschauen, wie bei einem schlimmen Unfall.

Abscheu, Ekel, aber auch Mitleid und Fassungslosigkeit kommen im Beobachter auf. Die Worte des Pfarrers, nicht besonders hilfreich: „Der Mensch hier ist eingehüllt, weil wir seine Würde und Intimität bewahren wollen“. Der Gottesdienst geht weiter, wieder der Chor, die Orgel, alles feierlich und schön. Aber immer wieder diese „Krippe“.
Eine Recherche drängt sich auf. „Das Werk einer jungen Künstlerin, das sie eigens für diesen Gottesdienst geschaffen hat“ sei das. Wer ist das? Die Vorberichte nennen den Namen Milena Lorek. Heute ist alles was „jung“ ist, auf Instagram, also dort nachgesehen.

Die Künstlerin trägt dort also den Namen „millen1um_“, und verweist auf die „Großartige Performance“ von Eleni Sismanidou. Nur ein Klick weiter ist zu ihr Folgendes zu finden:

Man fand sich also zur Promotion bei Dr. Müller ein, warum nicht. Oder bietet sich an für „sass in your advertising“:

Weitere mehr oder weniger künstlerische Fotos finden sich auf dem Instagram-Account des Models. Das mag auch hier nur ein Seitenzweig sein, wer im Reispapier lag ist eigentlich unwichtig.
Interessant ist aber die Verbindung der Künstlerin mit der Institution „Kirche im SWR“:

Wie praktisch! Die Künstlerin ist im „Social-Media-Team“ und in der „Online-Redaktion“! Da mußte man gar nicht lange suchen in der Stuttgarter Kunstszene, warum sollte auch jemand anderes eine Chance bekommen.
Ein „Reel“ ist auch noch zu finden, dort ist Patricia Paryz zu sehen, deren „Assistenz, seelischer Beistand und Fotografie“ erwähnt wurden. Solche Links sind ja wichtig, es geht um Sichtbarkeit und Verknüpfungen. Inhalt mag eher Nebensache zu sein, oder im Auge des Betrachters zu liegen. So was zum Beispiel, aus dem erwähnten „Reel“:

Die Fotografin Paryz nimmt eine betende Geste ein, im Stroh vor ihr liegt eine Wärmflasche, im Hintergrund die Orgel von St. Maria. Hier stellen sich selbst beim evangelischen Betrachter erneut Gefühle von Abscheu, Verwunderung und Traurigkeit ein. Welch eine Respektlosigkeit. Ein ‚Making-Of‘ Foto mit dem Inhalt des Lächerlich-Machens von Gebet und Sohn Gottes. Wes Geistes Kind die handelnden Menschen sind wird spätestens hier klar.
Kleine inhaltliche Komponente noch, die auffiel: Ein Zitat von Pfarrer Steiger:
„Ich denke darauf wollte Lukas aufmerksam machen, als er die Idee hatte, Gott als Kind auf die Welt kommen zu lassen. Kinder sind ehrlich und frei, aber auch leicht zu verletzen…“
Komisch, irgendwie dachte man immer, das sei Gott selber gewesen, der diese Idee hatte. Aber der TV-Kirchenmann wird es schon besser wissen. Oder es in einem Anfall von Realismus zur Geschichte der Evanglisten genau so sagen wollen.
Was bleibt? Etwas Aufruhr in den Sozialen Medien, ein Bericht der „Bild-Zeitung“ mit dem griffigen „Schleim-Jesus“, leider auch viel Gemecker aus der rechten Ecke. War es das wert? Muß das so sein? Ist nicht ein Gottesdienst, gerade mit so wunderbarer Musik, und der ewigen Weihnachtsbotschaft ein ausreichender Wert an sich? Immerhin: Man erfährt etwas über die Netzwerke, die Entscheidungsstrukturen, den Stil der TV-Kirchenangebote. Und man diskutiert, vielleicht, über Ästhetik und Theologie. Doch sicher hat man auch viele abgestoßen, verstört, befremdet. Schade.