Na, Corona?

Masken, Inzidenzen, Atemangst – Impfen, Boostern, Beten. Schlaglichter einer Pandemie.

Größter Einzeleinfluss jemals. Alles anders? Lebensverändernd sicher. Dankbar dass keine Krankheit in schlimm, „wünsche einen milden Verlauf“. Jeden Tag dran denken. Das Gespräch weglenken. Dann doch wieder. Der hat dies, die hat das. Krank sein, gesund sein. Dieser Fokus! Wo sind Magen-Darm, Schnupfen, Hautausschlag – wo Grippe, Husten, Bronchitis. Wo die Mittelohrentzündung, die Angina, die Warze.

Früher ist man halt zuhause geblieben. Heute wird gestestetgetestetgetestet – positiv! Falsch positiv! PCR, Schnelltest, Zertifikat. Spaltung, Impfangst, schlechte Laune. Querdenker, ausgerechnet die. Verschwörer, Schwurbler, Scharlatane. „Mein Nachbar hat ja…“.

Glorifiziert und überschätzt das Impfen. Dennoch froh darüber. Jetzt noch Omikron, dann haben wir’s. Vielleicht. Überraschungsmoment, wie immer. Leben wir.

Corona-Spaziergang

Solange der AMG-GLE vorgewärmt (hier war es so leise, eine Standheizung hört man meilenweit) vor dem Haus steht und dann die wiederverwendbaren Faser-Plaste-Tüten, nach dem Ausschütteln, in den sich wie von Geisterhand öffnenden Kofferraum gelegt werden und der Wagen sich unter eindrucksvollem Gebrabbel, in Richtung Ortsmitte bewegt, wiewohl nicht von Geisterhand, sondern von Hand eines Stirnglatze tragenden Chinohosen- und Steppjackenmannes, so lange also das alles läuft ist Stuttgart nicht verloren.

Dauerlebenssendung

Neulich in ‚Le Monde‘: „Réseaux sociaux, sucre… L’Occident Sous dopamine“, aber auch in Brand Eins, in der FAZ – daß also immer mehr erkannt wird warum eigentlich viele Leute ständig von dem in verschiedenen Formen online erzählen was sie gerade machen. Sie veranstalten also eine Dauerlebenssendung. Ich wollte mir den Titel schon schützen lassen, oder eine Webseite anlegen. Aber das wäre ja schon wieder so ein Reflex. Darum geht es, einem Reflex gleich zum digitalen Endgerät zu greifen und mitzuteilen was man gerade macht, erlebt hat, seltener: denkt, sehr häufig: ißt. Letzteres läßt sich auch bildlich einfach besser mitteilen.

Die Essenz dieser Berichte ist, daß die Firmen, welche solche Sendeplattformen zur Verfügung stellen, diese Plattformen so gestalten daß bei der Nutzung sich immer kleine Freuden einstellen, ein kleines bisschen Dopamin ausgeschüttet wird. Das sei durch die Wahrnehmung von „gefällt mir“ Angaben der Fall, aber auch durch Hinweise wie „Deine Freunde (sic!) haben schon lange nichts mehr von Dir gehört…“. Und so teilt man eben mit, man sendet, man gerät in einen Dauersendemodus. Mich eingeschlossen.

(Dieser Blog ist natürlich üüüberhaupt nichts in diese Richtung. Neinnein, hier ist alles wohl überlegt, gereift, abgewogen und -gelagert. Gern kann man meine Gedankenkeller besichtigen wo das hier Wiedergegebene mindestes 6 Monate bei optimalen Reifebedingungen vor sich hin gärt. Hier und da kann man auch ein Schlückchen unausgegorender Gedanken nehmen, aber das dann wiederum auf eigene Gefahr.)

Das alles dient natürlich nicht dazu den Leuten Freude zu machen sondern Geld einzusammeln. Viel Geld. ‚facebook‘, so hörte ich, machte 16 Milliarden Dollar Gewinn. Aber auch ‚Google‘ profitiert vom Drang nach schneller Information und von der Trägheit, nachzudenken. Das Wichtigste ist: Wissen was der Kunde wünscht. Mögen wir mündigen Künder doch einfach mal verstummen. Wie damals, als mein Vater meinte, wenn die Leute einfach mal 2 Wochen nichts kaufen würden, einfach mal von Vorräten leben, Wasser aus dem Wasserhahn trinken, hier und da ein Gläschen Most (ausgegorenen natürlich), dazu Kartoffeln aus dem Keller und Dosenwurst, es bräche das ganze System zusammen. Das kann keiner wollen. Aber das andere, dieses Senden, vielleicht fangen wir mal an ab und zu was zu ‚posten‘ was wir voll doof finden. Was total langweilig ist. Das wäre dann echt spannend.